Kessel und Züger Architekten

  • Automat an der Trottoirkante Automat an der Trottoirkante
  • Müllsammlung im Vorgarten Müllsammlung im Vorgarten
  • Eingangsbereich mit Sitzbank Eingangsbereich mit Sitzbank
  • Abstandsgrün und Vordach Abstandsgrün und Vordach
  • Abgrenzung am Gartenzaun Abgrenzung am Gartenzaun
  • Willkommen und Verkommen Willkommen und Verkommen
  • Treppenhaus und Wohnungstür Treppenhaus und Wohnungstür

Dazwischen

Veranstaltung / Publikation

Dazwischen – von der Wohnungstüre zur Trottoirkante

Im Umgang mit Schwellenräumen scheinen wir heutzutage an Erfahrungen arm. Selbst zu Fuss kommen uns die Reichhaltigkeit der Übergänge, ihre Wahrnehmung und Nutzung, allmählich abhanden: im Nahbereich der Wohnung wie auch im weiteren Wohnumfeld.
Gerade im Übergang vom Privaten zum Öffentlichen definieren sich beide Sphären, die zentral für das Selbstverständnis der Menschen und der Gesellschaft sind. An der Schnittstelle von Innen und Aussen findet ein Standpunkt- und Blickwechsel statt, der unser Handeln bestimmt. Kurzum: hier werden Identität und Differenz verhandelt.
Es lohnt sich, diesen sozial wie gestalterisch sensiblen Bereich näher anzuschauen, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der ökonomischen Nutzungsoptimierung und des planerischen Verdichtungscredos in urbanen Räumen. Die in Bedrängnis geratenen Freiräume und Freiflächen haben auch heute unsere Aufmerksamkeit verdient.
Das Dazwischen lebt. Es kann besetzt, verludert, ignoriert – aber auch aufgewertet, gehegt und gepflegt werden. Die Grenzen des Zwischenraums sind verhandelbar und verschieben sich permanent.
Eine Veranstaltungsreihe mit Erkundungsgängen soll die Wahrnehmung für diese Orte sensibilisieren, den kreativen Dialog zwischen den verschiedenen Protagonisten fördern und zu einem vielfältigen Gebrauch anregen.

Thesen
Wir verstehen die Konstruktion von Übergangsräumen als umfassende soziale und gestalterische Aktivität, die sich auf drei Ebenen abspielt: der Wahrnehmung, der Gestaltung und auch in der Aneignung von Raum. Benutzer und Bewohner, Architekten und Landschaftsplaner, Hausbesitzer und Hauspfleger sowie Jung und Alt sind unsere Adressaten und Experten zugleich. Wir gehen davon aus, dass die subjektive Sicht im Gang vom Privaten ins Öffentliche die Eigenverantwortung für das Wohnumfeld stärkt. Umgekehrt nimmt der Blick vom Öffentlichen hin zum privaten Wohnbereich die politische Verantwortung ins Visier und zielt auf gemeinschaftliches, institutionelles Handeln. Beide Sichtweisen erhalten im Projekt Raum.

Ziel
Das Projekt leistet einen Beitrag zur Diskussion über die Verdichtung des Wohnumfeldes in urbanen Räumen am Beispiel von Zürich. Grundrissen und Fassaden messen wir heute in der Planung bedeutendes Gewicht bei. Doch wie werden die Zwischenräume geplant, wahrgenommen und genutzt? Was ermöglichen oder verhindern sie? Das Projekt will die Wahrnehmung für das Dazwischen stärken, für Nutzungsangebote und räumliche Elemente sensibilisieren, auf unsichtbare und sichtbare Schwellen und Schranken hinweisen, die den Raum zwischen Privat und Öffentlich gliedern.
Das Projekt lädt ein zur Erkundung derjenigen Bereiche, die nicht eindeutig dem Privaten, aber auch nicht der Öffentlichkeit zugeordnet werden können. Dieser Bereich birgt das Potential zur gemeinschaftlichen Nutzung in sich.

Veranstaltungen
Die Recherche ist als Folge von vier Veranstaltungen angelegt. Drei davon sind als Gesprächsrunden mit Experten und Laien konzipiert. Abgeschlossen wird das Projekt mit einer öffentlichen Schlussveranstaltung mit Filmbeiträgen zu den vorangegangenen Erkundungsgängen, Vorträgen, einer Diskussion sowie einem Theaterstück zum Thema. Die Erkundungsgänge vor Ort inspirierten die Gesprächsrunden und liefern Anschauungsmaterial. Entsprechend sind auch die Lokalitäten quartierspezifisch für die Veranstaltungen gewählt sowie die Jahreszeiten und ihren Einfluss auf die Aktivitäten im halböffentlichen Raum berücksichtigt.

www.dazwischen.org

Zeitraum: 20.12.2011 – 01.10.2014
Auftraggeber: Dazwischen ist ein Vermittlungsprojekt im Rahmen des 100-Jahre-Jubiläums des Schweizerischen Werkbundes SWB 2013
Team: Claudia Cattaneo, Verena Huber, Anja Meyer, Roland Züger, Miriam Steffen (Bilder)