Kessel und Züger Architekten

Auf den Terrassen

Haus Eber

Zürich

Heterogenität ist die DNA des Quartiers. Vor Ort finden sich unterschiedlichste Bautypen und Nutzungen: Industrie, Werkhöfe, Busdepot, Sportstadion, Wohnbauten und Schrebergärten – Nie so viel, um dem Quartier einen Stempel aufzudrücken. Im Kleinen spiegelt sich diese Vielfalt: Aus dem denkmalgeschützten Fragment wird ein Ensemble. Wie einst sind dessen Brandwände Werbeträger: Vertikalgrün signalisiert ein Wohnprojekt mit ökologischer Ambition. Gleichzeitig eröffnen die Zwischenräume Ausblicke in die Umgebung – gerahmt, wie in einer Ausstellung: Stadionoval, Schlachthofkamin, Blockrand. Als Gegenüber zur Stadt und zum Bestandsgebäude sind die Fassaden des Holzbaus verputzt: Ein einheitliches Flechtmuster zieht sich über Putz- und Holzfassade und schafft Kontinuität im Sinne des Stoffwechsel-Theorie nach Gottfried Semper. Zweigeschossige Attikas vermitteln zu den Traufhöhen der Nachbarn.

Ensemble fügt sich zur gebauten Gemeinschaft
Öffentliche Nutzungen im Sockel dienen als Scharnier zur Stadt: Co-Working-Spaces sowie eine Fahrradwerkstatt ergänzen den Gemeinschaftsraum mit Küche im Bestandsbau. Diese Nutzungen sind nicht nur dem Wohnprojekt, sondern dem gesamten Quartier von Nutzen. Rückseitig richten sich auf Hochparterre-Niveau zwei Wohngemeinschaften zum Gartenhof aus. Die Übergänge vom öffentlichen Raum, zum Halbprivaten bis ins Intime sind mit einem Set von architektonisch ausformulierten Schwellenräumen gegliedert.

Hofbildung und Terrassenerschliessung dienen der sozialen Aneignung
Die gezielte Ausformulierung von Schwellen und ihre Bestückung mit Nutzungen und Möglichkeiten zur Aneignung verleihen den Bedürfnisse der jungen Erwachsenen Form. Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität finden sich Sitzstufen, die zu Treffen einladen, Vorzonen, die sich zum Abstellen von Pflanztöpfen und Hochbeeten eignen oder Nischen und Terrassen, wo Tischtennis oder Schach gespielt werden kann. Solche Orte sind gezielt entwickelt, um der Wohngemeinschaft individuelle Räume zur Aneignung zu bieten. Höhepunkt ist die Erschliessungsfigur über Terrassen mit der direkten Anbindung der Küchenloggien. Sommerliches Wohnen und Essen findet draussen statt. Herzstück ist die Gemeinschaftsterrasse: Extraraum auf jeder Etage. Die spezifische architektonische Form unterstützt die Möglichkeiten der sozialen Aneignung, der Gemeinschaftsbildung.

Freiräume sind so wichtig, wie die Häuser
Wie eine bauliche Analogie zur Ausbildungssituation der jungen Erwachsenen: Zwei Neubauten ergänzen den Bestand – ein Team, das voneinander profitiert. Die Konstellation schafft Höfe, verwebt die Bauten mit dem Freiraum. Das neue Dreigestirn umstellt eine gemeinschaftliche Mitte, in Form von gestapelten Terrassen, gerahmt von Kuchenbäumen. Der Vorhof zur Bullingerstrasse sowie zur Herdernstrasse markieren Kirschbäume. Eine Plantane verortet den ruhigen Hof zur Rückseite. Volumensetzung und Fassadenbildung bis hin zur Differenzierung in den Vordächern artikulieren unterschiedlich geformte Freiräume. Zu allen Seiten hin sind offene Zugänge geschaffen, die als Schwellenräume zum Quartier dienen.

Wettbewerb, nicht realisiert, Fläche: 1.015 m², Leistungsphasen: 2
Entwurf: 02.2018 – 04.2018
Auftraggeber: Stadt Zürich, Amt für Hochbau
Team: Florian Kessel, Roland Züger, Irina Hoppe, Lorenz Eugster